Ungeliebte Gefühle

Es gibt viele schöne Gefühle wie Glück, Freude, Liebe, Dankbarkeit, Zufriedenheit, Hoffnung, Begeisterung, Stolz, Zuversicht, Gelassenheit, Geborgenheit, Euphorie, Faszination, Entzücken, Wertschätzung, Vertrauen, Erfüllung, Heiterkeit.

Es gibt aber auch die Gefühle, die die meisten lieber nicht hätten.
Das sind:

  • Angst
  • Trauer
  • Wut

Diese Gefühle sind nicht nur einfach da, sondern sie haben eine Funktion. Sie sind unsere Helfer, um mit Situationen fertig zu werden, die uns z.B. überfordern und überwältigen.

Wir alle kennen Angst.

Angst ist ein unangenehmes Gefühl, vom dem manche Coaches behaupten, dass das ein völlig unnötiges Gefühl sei und dass jeder Mensch die Angst in den Griff bekommen könnte. Angst wird als Schwäche erlebt, als Ausdruck von Hilflosigkeit. Angst haben nur die Opfer und ein Opfer will niemand sein.

Und dennoch ist die Angst da.

Meiner Erfahrung nach, hätte die Menschheit, kein Mensch und kein Tier ohne Angst je überlebt. Jedes Tier hat bei Bedrohung Angst, flieht, kämpft oder stellt sich tot. Ohne die Wahrnehmung des Gefühls der Angst wäre das nicht möglich.

Jetzt ist es nur so, dass sich in unserem Körper erlebte Bedrohungen und Übergriffe abspeichern. Unser Körper möchte für zukünftige Schrecknisse und Übergriffe gewappnet sein und merkt sich einfach alles, um uns rechtzeitig zu warnen.

Ein Tier merkt sich auch alle Bedrohungen und Angriffe. Ein Tier hat aber nicht verlernt den Schrecken zeitnah auch wieder körperlich abzuleiten. Ein Tier zittert, wenn die Bedrohung vorbei ist.
Mit diesem Zittern wird alle Spannung, die der Körper als Schutz aufgebaut hat auch wieder abgebaut. Das Erlebte wird zwar weiter in der Erinnerung gespeichert sein, aber es werden sich keine körperliche Symptome einer Retraumatisierung einstellen, wenn ein Trigger, die Erinnerung an das Geschehen ausgelöst.

Nun ist es leider so, dass wir Menschen die natürliche Antwort unseres Körpers auf die Angst in der Regel völlig vermeiden. Die Antwort, die auch unser menschlicher Körper auf Angst hat, ist das Zittern.

Zittern ist nur leider eben sehr negativ belegt. Zittern heißt in der Regel: Schwäche zeigen, Opfer sein.
Dabei ist Zittern eine geniale körperliche Reaktion.

Wenn wir vor Kälte zittern, wärmen wir unsere Muskeln.

Wenn wir uns das Zittern vor Aufregung und Vorfreude, erlauben würden, würden wir den wohligen Schauer genießen können.

Wenn wir vor Wut zittern, merken wir, dass wir in Aktion gehen und Handeln sollten, dass die Wut ein Ventil braucht.

Wenn wir vor Angst zittern, zittern wir Spannung ab.

Gerade das Zittern nach Schocksituationen ist sehr heilsam. Leider lernen wir nicht mit diesem Zittern umzugehen.

Wie wir Zittern wieder lernen können, siehe Faszien-Reflex-Zittern.

Mir wurde von Ersthelfern nach einem Autounfall ein Schnaps angeboten. Mir war Gott sei Dank nichts passiert, aber ich bin aus dem Auto ausgestiegen und hatte wie Espenlaub gezittert. Mir wurde sofort eine Decke umgehängt, jener Schnaps angeboten und gesagt, dass ich mich beruhigen sollte. Das mit der Decke war super, aber wenn ich jemanden dagehabt hätte, der gesagt hätte. „Zittern sie ruhig die Spannung ab. Sie können sich auch ein bisschen schütteln, ich bin da und biete ihnen Halt, falls sie zu kipplig sein sollten….“ Das wäre für mich super gewesen. Aber das lernen wir in den erste Hilfekursen leider nicht.

Wie wir wieder lernen zu Zittern, siehe: Faszien-Reflex-Zittern.

Kommen wir zu dem zweiten ungeliebten Gefühl, der Trauer.

Trauer ist eine natürliche und gesunde emotionale Reaktion auf den Verlust von etwas oder jemandem, der uns wichtig ist. Sie erfüllt mehrere wichtige Funktionen:

Trauer ermöglicht es uns, den Verlust zu akzeptieren und damit umzugehen. Sie erlaubt uns, unsere Gefühle von Schmerz, Leere und Enttäuschung auszudrücken.

Trauer erinnert uns an die Bedeutung des Verlorenen. Sie erlaubt uns, positive Erinnerungen und Erfahrungen zu bewahren und wertzuschätzen.

Trauer hilft uns, uns an eine veränderte Realität anzupassen, in der das Verlorene nicht mehr präsent ist. Sie kann uns dabei unterstützen, neue Wege zu finden, um mit dem Leben voranzukommen.

Das Zulassen von Trauer kann auch physische und psychische Gesundheit fördern. Das Unterdrücken oder Vermeiden von Trauer kann zu Stress und anderen gesundheitlichen Problemen führen.

Für die Bewältigung der Trauer hat sich die Evolution, die Natur, auch was besonderes ausgedacht. Wir können weinen.

Weinen kann die Trauer besänftigen. Tränen sind gesund. Wer sich das Weinen verbietet, fördert seinen Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Magenprobleme, Depressionen oder Angstzustände.

Tränen bekämpfen Bakterien. Gibt man die lysozyme aus den Tränen in ein Gefäß mit Krankheitserregern, sind schon nach 10 Minuten 90-95 Prozent davon getötet.

Tränen transportieren Gifte und Stresshormone aus dem Körper die ansonsten die Cortisol-Herstellung begünstigen würden. Außerdem machen diese Stresshormone müde, aggressiv, schwermütig, oder unruhig. Und das Weinen verlangsamt die Atmung, wodurch wir etwas ruhiger und entspannter werden.
Jede Träne, die nicht geweint wurde, sollte geweint werden. Das kann eine sehr befreiende Erfahrung sein.

Deine Tränen sind in unseren Trainings herzlich willkommen.

Es gibt leider auch Fälle, wo das Weinen keine Entlastung bringt, wo Tränen sich kaum stoppen lassen. Wenn die Ursache nicht auf eine psychopathologische Störung zurückzuführen ist, kann es sehr gut sein, dass hier Wut von der Trauer überdeckt wird. Die Trauer verschwindet, wenn die Wut kommen darf.

Wut ist das Gefühl, mit dem die meisten Schwierigkeiten haben.

Die einen können Wut nicht kontrollieren. Die anderen unterdrücken Wut, stecken sie in einen Hochsicherheitstrakt und hoffen sie damit los zu sein.

Einige haben Angst vor wütenden Menschen, die sie an eigene schreckliche Ereignisse erinnern. Oft werden Übergriffe und Gewalterfahrungen erinnert, die in der eignen Kindheit stattgefunden haben. Das war eine Zeit, in der wir meist hilflos und machtlos waren. Heute gilt es diesem in dir Kind die Kraft und den Mut zu geben, sich zu wehren und sich nichts mehr gefallen zu lassen.

Wir tun uns oft schwer unsere Wut wahrzunehmen und zu ihr zu stehen.
Wenn wir von katastrophalen Ungerechtigkeiten hören, sind wir höchstens betroffen, aber nicht wütend.

Sogar der Dalai Lama, von dem ich solche Aussagen nicht erwartet hätte, schreibt in seinem Buch „Be Angy! Die Kraft der Wut kreativ nutzen.“: Wenn im Allgemeinen ein Mensch nie seine Wut zum Ausdruck bringt, stimmt meines Erachtens etwas nicht. Er ist nicht richtig im Kopf.
Und er schreibt weiter: Der in der Wut zum Ausdruck gebrachte Hass führt zu destruktivem Verhalten. Das in der Wut zum Ausdruck gebrachte Mitgefühl führt zu positiver Veränderung.

Wut gilt heute bei als unkultiviert. Jeder hat sicher schon den Satz gehört: Wer schreit hat Unrecht.
Und Wut hat ja auch eine ganz grauenhafte Seite. Wenn Wut unkontrolliert am Gegenüber, egal ob Mensch oder Tier, abgelassen wird, wirkt sie zerstörerisch und hat fatale Folgen.

Gerade weil eine unterdrückte, im Hochsicherheitstrakt eingesperrte Wut irgendwann unkontrolliert ausbrechen kann, ist es so wichtig sich dieses Gefühls bewusst zu werden und das Gefühl der Wut frühzeitig kreativ einzusetzen.

In unsere Arbeit am Heinrichs-Swoboda Institut, widmen wir uns allen Gefühlen und ganz besonders der Kraft der kreativen Wut. Wir unterstützen Menschen an ihre alte, nicht verarbeitete Wut zu kommen. Wut, die vielleicht schon seit der Kindheit im Körper brodelt und die in einem geschützten Raum, endlich raus darf. Mit einem Workout-Kissen „bewaffnet“, mit Stimme und Atmung werden Körper und Geist von alter und teil im Unbewussten brodelnder Wut gereinigt.

Aber nicht nur die körperliche und emotionale Reinigung spielt bei diesem Prozess eine große Rolle, sondern auch die Aufarbeitung von alten Verletzungen und Kränkungen. Durch die kraftvolle Arbeit mit dem Körper, durch den vehementen Ausdruck, zeigen wir unserem ganzen System, dass wir die Rolle des Opfers ablegen und in die Aktion kommen. Wir lernen jetzt, Schritt für Schritt, für unsere Leben einzustehen. Wir lernen Vorwürfe, Erwartungen oder Verantwortungen, die wir an andere haben oder die andere an uns stellen, loszulassen. Wir befreien uns aus den Fesseln der Vergangenheit. Durch diesen Prozess erleben eine unglaubliche Erleichterung, eine tiefe Freude, große Dankbarkeit und spüren ein liebevolles Herz.

Ich höre immer wieder den Satz, dass die Wut-Arbeit mit dem Workout-Kissen, mit Ausdruck, Stimme und Bewegung bei Traumata in jedem Fall zu einer Retraumatisierung führt. Ja, das kann passieren, wenn hier unerfahrene Therapeuten am Werk sind. Bei Traumatisierungen ist im hohen Maße Achtsamkeit geboten. Und vor allem ist eine sehr kleinschrittige, sanfte und individuelle Vorbereitungsphase mega wichtig.

Mit dem Wort Trauma wird momentan leider recht großzügig umgegangen. Sicher hat jeder Mensch, meist auch schon in seiner Kindheit traumatische Erfahrungen gemacht. Die allermeisten negativen Erfahrungen, die zu einem Trauma führen können, wurden aber schon damals ganz oder teilweise verarbeitet und führen bei heutiger Berührung oder Trigger nicht in eine Retraumatisierung, sondern in unschöne Erinnerungen. Traumata und unschöne Erinnerungen haben uns geprägt und uns Glaubenssätze mitgegeben, die jetzt eventuell überholt sind. Da wir heute keine Kinder mehr sind, könnten uns diese alten Glaubenssätze aus unserer Vergangenheit sehr hinderlich sein. Hier lohnt es sich für jede, für jeden genau hinzuschauen und sich gegebenenfalls aus alten Fallen zu befreien.

Das Wort Achtsamkeit ist im Zusammenhang mit Traumata gerade auch in aller Munde. Ich finde es ist schade, dass das Wort Achtsamkeit oft in „Vorsicht“ uminterpretiert wird. Nichts gegen die Vorsicht, Vorsicht ist immer gut. Aber Achtsamkeit bedeutet für mich in diesem Zusammenhang, achtsam die Gefühle wahrzunehmen und jedem Gefühl seinen Platz zu lassen und keines zu verteufeln. Jeder Anteil, jedes Gefühl hat ein Recht darauf gesehen und liebevoll angenommen zu werden.

Es gibt Traumata, die sind so entsetzlich und übermächtig, dass an eine komplette Aufarbeitung erst mal nicht zu denken ist. Da geht es dann darum einen Weg zu finden mit dem Trauma leben zu lernen und es zu besänftigen. Da werden heute super Techniken angeboten. Wir zum Beispiel nutzen in diesen Fällen erst mal unsere eigene Technik, das Faszien-Reflex-Zittern.

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Das Faszien-Reflex-Zittern ist eine ähnliche Technik wie Trauma Release Exercises TRE von David Bercelli. Beide haben den Ursprung aus dem Umfeld der Bioenergetik und Alexander Lowen. Das Faszien-Reflex-Zittern haben wir mir meiner Mutter Salama Inge Heinrichs Anfang der 90iger Jahren des 20 Jahrhunderts entwickelt. Nach einer guten Stabilisierung der Klientin, des Klienten, kann dann eine weitere Trauma-Verarbeitung in Erwägung gezogen werden.

Meiner Erfahrung nach ist ein Mensch mit Körper und Geist erst dann vom Trauma erlöst, wenn sich die/der Traumatisierte dem „Feind“ stellen kann und ihn kurz und klein schlägt. Der „Feind“ kann ein Stellvertreter, eine Person, Gott, das Schicksal, der Tod, ein Glaubenssatz, eine Angst und mehr sein. Die Workout-Sätze könnten lauten: Nie wieder, ich habe die Schnauze voll, ich lass mich von dir nicht mehr unterkriegen, das ist mein Leben, ich habe ein Recht auf mein Leben, ich darf glücklich sein,  ich entferne dich aus meinem Leben, ich gebe dir jeden Schlag zurück, ich lass mich von dir nicht mehr fertig machen, die Vergangenheit ist vorbei, ich lasse alle Schmerzen los, ich bin stark, ich bin liebenswert, mir reicht es, ect.

Es ist ein sehr ergreifender und wundervoller Moment, wenn im Gesicht des Klienten, der Klientin sichtbar wird, dass die Spannung, die Angst, die Verzweiflung, die Ohnmacht abgefallen ist und sich das Herz in Liebe zu sich selbst und der ganzen Welt geöffnet hat und Frieden einkehren darf.

All unsere Gefühle sind wichtig und sollten ihren festen Platz in unserem Leben haben. Wer versucht sogenannte negative Gefühle zu unterdrücken, unterdrückt die positiven Gefühle gleich mit. Unsere Gefühlsleben lässt sich nicht trennen. Alles oder nichts. Das ist unsere Erfahrung.

Ich freue mich über deine Erfahrungen mit Gefühlen,

mit herzlichen Grüßen

Coco

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